{"id":609,"date":"2015-04-28T06:26:13","date_gmt":"2015-04-28T06:26:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.thonetantik.de\/?p=609"},"modified":"2015-05-01T12:36:35","modified_gmt":"2015-05-01T12:36:35","slug":"thonet-schaukelstuhl-nr-5-7005","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.thonetantik.de\/?p=609","title":{"rendered":"Thonet Schaukelsessel Nr 5 (7005)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.thonetantik.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Kaiserin-Elisabeth-mit-Krinoline-1865.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-613\" src=\"http:\/\/www.thonetantik.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Kaiserin-Elisabeth-mit-Krinoline-1865-194x300.jpg\" alt=\"Kaiserin Elisabeth mit Krinoline (1865)\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.thonetantik.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Kaiserin-Elisabeth-mit-Krinoline-1865-194x300.jpg 194w, http:\/\/www.thonetantik.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Kaiserin-Elisabeth-mit-Krinoline-1865-161x250.jpg 161w, http:\/\/www.thonetantik.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Kaiserin-Elisabeth-mit-Krinoline-1865.jpg 434w\" sizes=\"(max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.thonetantik.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/7005.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-608\" src=\"http:\/\/www.thonetantik.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/7005-290x300.jpg\" alt=\"7005\" width=\"290\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.thonetantik.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/7005-290x300.jpg 290w, http:\/\/www.thonetantik.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/7005-242x250.jpg 242w, http:\/\/www.thonetantik.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/7005.jpg 849w\" sizes=\"(max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Schaukelsessel Nr 5 von Thonet hat keine Armlehnen und f\u00e4llt durch seine schmale Form auf, die ihn schlank und hoch erscheinen l\u00e4\u00dft.\u00a0 Offensichtlich war er f\u00fcr die Damenwelt gedacht, deren \u00fcppige R\u00f6cke von den Armlehnen zu sehr gestaucht und eingeengt worden w\u00e4ren. Man denkt sogar an die Krinolinenzeit im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert. Wie h\u00e4tte wohl Kaiserin Elisabeths Kleid ausgesehen, wenn sie aus einem Schaukelstuhl mit Armlehnen aufgestanden w\u00e4re.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die schlichte Linienf\u00fchrung in der Seitenansicht wird nur durch die kleinen Spiralen von Handgriff und Schn\u00f6rkel \u00fcber der Kufe aufgelockert. Die Seitenfl\u00e4che ist in gleichwertige Leerfl\u00e4chen aufgeteilt, zu denen man auch den Bereich hinter dem St\u00fctzbogen z\u00e4hlt.\u00a0 Keine weiteren Details st\u00f6ren diese einfache Harmonie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Konstruktion kommt ohne untere Queraussteifung aus, die geraden Querstangen zwischen den Kufen k\u00f6nnen dazu nichts beitragen und sind reine Abstandhalter.\u00a0 Etwas inkonsequent ist die Anordnung des hinteren St\u00fctzbogens, der sich mit einer langen anschmiegenden Leimfuge dem Hauptholm anschlie\u00dft, w\u00e4hrend dieser sich mit modernerer Erkennbarkeit vorne auf die hochgebogene Schaukelkufe legt und als separates Bauteil zeigt. Hier hat Thonet sein\u00a0 montagefreundliches Prinzip der getrennten Bauteile noch nicht vollst\u00e4ndig durchgef\u00fchrt. Der ungest\u00f6rte Fluss der Linien ist ihm wichtiger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An sp\u00e4teren Schaukelsesseln wird der St\u00fctzbogen als selbst\u00e4ndiges Bauteil erkennbar werden. Auch die Querstangen werden bald so ge\u00e4ndert, dass sie in den Zwickeln der Seitenteile liegend mit langen Schrauben durchgehend eingespannt werden und so zur Queraussteifung beitragen. Dennoch bleibt allen Modellen ohne untere Queraussteifung durch ein eigenes Bauteil eine gewisse seitliche Beweglichkeit, die nur mit maximal angezogenen Schrauben des Sitzrahmens zum Hauptholm beherrschbar bleibt. In Folge dieses Mangels im Entwurf gibt es an genau diesen Schrauben die meisten Reparaturen zu machen. Es ist die alte Regel, dass eine durch Linienf\u00fchrung erreichte Stabilit\u00e4t jeder durch Einspannung und steife Ecken bewirkten immer \u00fcberlegen bleibt. Da hilft auch kein Schraubenzieher mit Sechskant, der mit einem Mutternschl\u00fcssel kraftverst\u00e4rkend gedreht werden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein erster Schaukelsessel Nr. 5 war ein Kriegsinvalide, der oben herum abgebrannt war, sodass die den R\u00fccken tragenden Holme dicht \u00fcber dem St\u00fctzbogen abges\u00e4gt waren. Auch das kleine Oval zwische Sitz und dem gewesenen R\u00fccken war weg. Ein charmanter Schaukelhocker war \u00fcbrig geblieben und zeigte immer noch seine harmonische Seiteneinteilung.\u00a0 Aus der damals verf\u00fcgbaren Katalogliteratur konnte ich die H\u00f6he des R\u00fcckens berechnen und wagte mich an eine Wiederherstellung des Amputats. Eine in der H\u00f6he passende R\u00fcckenlehne wurde durch pr\u00e4zise Schnitte, die den Flechtlochabstand beachteten, auf das schmale Ma\u00df reduziert und das gleiche Opfer lieferte auch die anzusetzenden Holme mit den kleinen Griffspiralen. Da der gepl\u00fcnderte Organspender gr\u00f6\u00dfer und kr\u00e4ftiger gewesen ist, mu\u00dfte alles in den Profildurchmessern reduziert werden, eine h\u00f6llisch genaue Raspelarbeit, die von ebenso teuflischen Schleiftagen abgel\u00f6st wurde, lie\u00df die Ersatzteile schlanker werden, soda\u00df endlich alles verleimt, geschliffen, gebeizt, mattiert und neu geflochten werden konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kaufm\u00e4nnisch war das h\u00f6chst sinnlos, ja schon geisteskrank, aber was macht man nicht alles zur Rettung von Kulturgut, besonders, wenn man so ein M\u00f6bel noch nie gehabt hat. Der sportliche Ehrgeiz, ob man es wohl k\u00f6nne, tat ein \u00dcbriges und der Krinolinenschaukelsessel\u00a0 stand makellos vor dem sogar selbst staunenden Restaurator. Sp\u00e4ter &#8211; anfangs der 80er Jahre &#8211; ging das Schmerzensst\u00fcck an Phillip Cutler, den Eink\u00e4ufer von Lord &amp; Taylor, einem New Yorker Luxuskaufhaus, das sein Image durch Antiquit\u00e4tenausstellungen aufpolierte. Bei mir fanden sie viele ihrer Exponate&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Phillip machte sich nichts daraus, dass etwa 40 % des Schaukelsessels sp\u00e4ter hinzugekommen war, solange er es nur korrekt deklariert bekam. Immerhin war es ja auch altes Bugholz! Ich nenne so ein stark restauriertes St\u00fcck mal Akkumulat, mal Komposit, weil es kein Fragment mehr ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Er\u00f6ffnung der Lord &amp; Taylor\u00b4schen Thonetausstellung kam sogar Dr. Georg Thonet, der Chef des Konzerns, und kaufte einen Drehstuhl, den er bei mir f\u00fcr die H\u00e4lfte h\u00e4tte bekommen k\u00f6nnen. Aber da w\u00e4re kein Pressefoto des stolzen K\u00e4ufers mit dem Scheck dabei gewesen. Daf\u00fcr war der Umweg \u00fcber New York n\u00f6tig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das hier abgebildete St\u00fcck ist ohne so weitgehenden Reparaturbedarf. Einige hilflose Notreparaturen, die z. B. mit Bolzen die aufgegangenen Leimfugen arretieren, m\u00fcssen beseitigt werden und nat\u00fcrlich das Geflecht &#8211; das ist sehr fein, gro\u00df und teuer. Ich mache es nicht mehr &#8211; jeder muss sich selbst k\u00fcmmern. Immerhin ist alles in geradem und nicht verzogenem Zustand, was mir mit 500 \u20ac honoriert werden soll, um als K\u00e4ufer selbst Hand an die Restaurierung legen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schaukelsessel Nr 5 von Thonet hat keine Armlehnen und f\u00e4llt durch seine schmale Form auf, die ihn schlank und<a class=\"read-more\" href=\"http:\/\/www.thonetantik.de\/?p=609\"> [&#8230;]<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[30],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.thonetantik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/609"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.thonetantik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.thonetantik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.thonetantik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.thonetantik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=609"}],"version-history":[{"count":11,"href":"http:\/\/www.thonetantik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/609\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":624,"href":"http:\/\/www.thonetantik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/609\/revisions\/624"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.thonetantik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=609"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.thonetantik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=609"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.thonetantik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=609"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}